Die hohe Kunst der Konditorei und des Kuchenbackens

Kunst, Kultur und Kuchen haben seit Langem eine innige Beziehung der gegenseitigen Ergänzung und Förderung. Schon im 17. und 18. Jahrhundert waren die Hofkonditoren hochangesehen Mitglieder der königlichen und fürstlichen Höfe. Ihre herausragende Stellung innerhalb des Hofes lässt sich mit denen der Hofkünstler vergleichen. Allerdings waren ihre Kunstwerke weitaus vergänglicher und sind meist nur in zeitgenössischen Dokumenten schriftlich überliefert. Es wurden ihnen nahezu unbegrenzte finanzielle und materielle Ressourcen zur Verfügung gestellt, um bei den prächtigen Banketten den krönenden Abschluss zu präsentieren. Zu dieser Zeit war die Konditoren Kunst ein Privileg der Reichen und Mächtigen, je beeindruckender und verschwenderischer das Torten-Kunstwerk, desto höher der Status des Gastgebers.

Heutzutage ist sowohl der Kunst- wie auch der Kuchengenuss weitgehend demokratisiert. Nahezu in allen Museen werden Führungen und Veranstaltungen geboten, die mit Kuchen als zusätzlichem Anreiz in die Ausstellungen locken. Viele Cafés veranstalten Ausstellungen in ihren Räumen mit Werken von lokalen Künstlern und Künstlerinnen, die häufig auch zum Verkauf angeboten werden. Es gab vor einigen Jahren sogar eine Ausstellung „ Kunst und Kuchen“, in der namhafte Konditoren sich von Gemälden zu faszinierenden Kuchen-Skulpturen inspirieren ließen.

Heute sind die Zeiten vorbei, in denen es beim Bäcker die Wahl zwischen Puddingteilchen und Kirschstreuselkuchen vom Blech und in altmodischen Cafés Schwarzwälder Kirschtorte und Buttercremetorte gab. In den Großstädten eröffnen immer mehr kleine Konditoreien und Cafés, die mit köstlichen und ausgefallenen Leckereien verführen wollen. Auch Hobby-Bäcker und -Bäckeirnnen kreieren neue Rezepte und backen für Geburtstage und Familienfeiern prunkvolle, raffinierte Kuchen.

Um die Hobby-Backkunst herum hat sich ein lukrativer und erfolgreicher Markt entwickelt, der es auch den Laien erlaubt, ihre Kunstwerke aus Teig, Zucker und Creme wunderschön zu gestalten. Wenn man den Kuchen personalisieren möchte, kann man das Foto des Geburtagskindes auf einen Tortenaufleger aus Marzipan drucken lassen, oder auch jedes andere Fotomotiv. Der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, der Gestaltungswille kann sich auch im Backofen nach Herzenslust entfalten.

Es werden die unterschiedlichsten Backformen und Spezialwerkzeuge angeboten, die es ermöglichen, in der heimischen Küche professionelle und aufsehenerregende Torten herzustellen. Es gibt vorgefertigte Deko-Elemente wie Blumen, Buchstaben und Schriftzüge aus Zucker, Schokolade oder Marzipan, die jeden Kuchen in ein Highlight bei Feiern oder beim Kindergeburtstagen verwandeln.

Dieser Trend hat unzählige Zeitschriften, Bücher, TV-Sendungen, Internet-Blogs und YouTube-Kanäle hervorgebracht, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Verbreitet werden Kurse und Workshops angeboten, in denen man lernen kann, auch zu Hause eine meisterliche Torte zu backen.

Ausgehend von England hat sich zudem weltweit die Sugarcraft etabliert, die mit Hilfe von Fondant und Lebensmittelfarben höchst anspruchsvolle süße Kunstwerke schafft. Auch in Deutschland findet die Zuckerkunst immer mehr Liebhaber und Liebhaberinnen. Bei den ausgefallenen Verzierungen und Aufbauten der Torten ist das tatsächliche Verzehren derselben nebensächlich, es geht hauptsächlich um das Kunstwerk. Es finden eigene Wettbewerbe statt, im Fernsehen liefern sich Teilnehmer von Backshows wahre Tortenschlachten. Für Menschen, die gerne Kuchen essen, ist das Ergebnis oft zwar optisch beeindruckend, der Geschmack jedoch enttäuschend.

Für die Feinschmecker unter den Kuchenfans gibt es den Gegen-Trend der Naked Cakes, dabei werden verschiedene Böden und Füllungen übereinander geschichtet und nur leicht mit einer Creme bestrichen.

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