Zuerst die Reflexion, dann das Werk

Den künstlerischen Werken geht in der bildenden Kunst üblicherweise die Reflexion voraus, die in eine Kunsttheorie eingebettet ist. Diese gibt Bildern, Zeichnungen, Grafiken, auch Bauten, Installationen, Video- oder Objektkunst einen Rahmen. Da Reflexion einen Bezug zu Geschichte und Gesellschaft hat, sind theoretische Grundlagen für die bildende Kunst als breiter Horizont zu verstehen, den sich Künstlerinnen und Künstler zur Definition ihres künstlerischen Ausdrucks stecken.

Theoretische Abhandlungen

Die Zeit und die darin stattfindenden Veränderungen sozialer, kultureller, wirtschaftlicher und politischer Art fließen in eine Strukturierung der durch Reflexion entstandenen Ideen und Konzepte ein. Auch jedwede persönlichen Erfahrungen der Kunstschaffenden spielen dabei eine Rolle. In der bildenden Kunst ergeben sich daraus heute Manifeste, Texte oder auch theoretische Abhandlungen von Kollektiven, Schulen, Gruppen, aber auch Zusammenfassungen einzelner Künstlerinnen und Künstler. Diese gehen bis zu theoretischen Vorträgen, welche beispielsweise vor einer Ausstellung auf Video aufgenommen werden.

Bezüge zu anderen Wissenschaften

Kunstschaffende hinterfragen, stellen infrage und bringen so ihren Teil in die Entwicklung der Gesellschaft ein. Deshalb spielt die Untersuchung von Wesen und Gesetzmäßigkeiten der bildenden Kunst eine Rolle. Die Genese, also die Entstehung und Entwicklung, sowie die Funktion der bildenden Kunst geben der tatsächlichen Realisation eine Richtung vor. Dabei ist es in sich folgerichtig, die Kunsttheorie in Bezug zur Kunstgeschichte und Kunstkritik sowie zur Ästhetik zu sehen. Auch gibt es Zusammenhänge zur Wahrnehmungsforschung, Philosophie, Psychologie und Medientheorie.

Mahnungen aus der bildenden Kunst

Künstlerische Reflexion und künstlerisches Wirken sind zu einem Teil auch durch die Biografie des oder der Kunstschaffenden bedingt. So gab und gibt es im Deutschland des 20. und 21. Jahrhunderts viele, die in der bildenden Kunst eine Möglichkeit sahen, die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs und die Folgen des politischen Totalitarismus zu verarbeiten. Sie gelten heute noch und immer wieder als Mahner.

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