Die Malerei gilt als Genre der bildenden Kunst. Sie ist immer Auftrag von nasser Farbe auf einen Malgrund und arbeitet nicht mit dreidimensionalen Konzepten wie Bildhauerei, Installations- oder Videokunst sowie Architektur. Sie kann aber Räumlichkeit durch Perspektiven im Bild vermitteln. Die ersten Malereien waren Höhlenmalereien, die auf Felsen aufgetragen wurden und aus der letzten Eiszeit und dem Jungpaläolithikum stammten. In den folgenden Jahrtausenden entwickelte sich die Malerei zur Wandmalerei wie beispielsweise im alten Ägypten oder in den christlichen Kirchen. Auch kamen Tafel-, Buch-, Genre- und Landschaftsmalerei oder das Stillleben hinzu. Wichtig wurde letztendlich auch die Porträtmalerei, wie sie der deutsche Renaissance-Maler Albrecht Dürer in seinem ‚Selbstbildnis’ um 1.500 nach Christus zeigte.
Reaktion auf eine Welt der Zerstörung
Die Wegbereiter der Moderne waren unter anderem Künstlerinnen und Künstler des Impressionismus, Surrealismus, Dadaismus, Expressionismus, auch der abstrakten Kunst. Sie reagierten auf eine Welt, die durch die beiden Weltkriege mehr und mehr in die Zerstörung geriet. In den darauf folgenden Zeiten war nichts mehr, wie es war, und die Malerei trieb, wie sämtliche Genres der bildenden Kunst, ebenfalls in alles, was anders war: Theorien, Konzepte, Maltechniken, Wahrnehmung und Perspektive änderten sich radikal. Einer der Vertreter dieses radikalen Wandels in der Malerei war Georg Baselitz, der 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen, geboren wurde. Er drehte 1969 tatsächlich die Welt um und stellt seither in seiner expressiven Malerei die Motive auf den Kopf. Bezeichnenderweise gelang ihm damit als Künstler der Durchbruch.
Provokation und Skandal
Georg Baselitz war bereits zu Zeiten der damaligen DDR renitent. Er studierte zuerst in Berlin-Weißensee Kunst, flog jedoch wegen ‚gesellschaftspolitischer Unreife’ von der damaligen Hochschule für bildende Künste in Ost-Berlin. Von 1957 bis 1964 studierte er im Westen Malerei, dies an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin. Georg Baselitz verweigerte Konformität und provozierte. Er tat dies auch, weil ihn die Zerstörungen, die er im Zweiten Weltkrieg erfuhr, prägten. Er stellte fortan alles infrage und in seiner Malerei die Motive auf den Kopf. Er verweigerte sich auch gesellschaftlichen Normen und durchbrach Konventionen. Im Jahr 1963 malte er deshalb auch ‚Der nackte Mann’. Das Gemälde, in dem er einen masturbierenden Jungen zeigte, sorgte zur damaligen Zeit für öffentliches Aufsehen.
Der internationale Durchbruch
Dass Georg Baselitz in seinen Bildern Figuren und Formen malte, die farbintensiv, provokant und bei Weitem nicht realitätskonform waren, hatte er dem Expressionismus zu verdanken, auf den er während seines Studiums stieß. Er trat in ein Künstlerkollektiv ein, dessen Vertreter sich ‚New Fauves’ nannten und die neoexpressionistisch malten. Der internationale Durchbruch gelang ihm dann auch in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit seinen expressiven und figurativen Bildern. Dennoch hat er sich bis heute sein unverkennbares Markenzeichen bewahrt, denn Georg Baselitz entzieht sich bis heute den Konventionen von Konzept und Wahrnehmung und zeigt die Motive in seinen Bildern aus der umgedrehten Welt.